19.06.1937 – Ansprache zur 5. Namensweihe (4 Seiten)

Ansprache zur V. Namensweihe am 19.Juni 1937:

Als vor 3/4 Jahren das Mütter- und Kinderheim Steinhöring in Betrieb genommen wurde, war nicht beabsichtigt, eine Entbindungsanstalt zu errichten, wie sie zu hunderten schon in Deutschland vorhanden sind. Es war auch nicht beabsichtigt, dass die SS mit irgendeiner Klinik in Konkurrenz treten will.

Wenn die SS ein solches Unternehmen in die Hand nimmt, dann müssen schon tiefliegende Gründe vorhanden sein.

Es sollte mit unserem Heim etwas geschaffen werden, was noch nicht da war: nämlich eine Heimstätte für die uneheliche Mutter, in der sie nicht nur ungestört von der Aussenwelt ihr Kind zur Welt bringen kann, sondern in der sie auch voll und ganz als "deutsche Mutter" gewertet wird.

Hier stehen wir schon in scharfen Gegensatz zu der herrschenden Meinung der Zeit. Wenn heute ein junges Mädchen sich Mutter werden fühlt, so beginnt für sie eine furchtbar schwere Zeit. In ihrer eigenen Familie gilt sie als räudiges Schaf, die der Sippe Schande und Unehre bringt, in der Gesellschaft wird sie verachtet und verlacht, obwohl gerade die Gesellschaft mit Eifer bemüht ist, jedem jungen Mädchen nachzuschnüffeln, welche Beziehungen es in seinem Privatleben anknüpft. Diese Beziehungen können noch so intim sein, die Gesellschaft wird dies solange als eine Selbstverständlichkeit hinnehmen, bis dieses junge Mädchen eines Tages Mutter wird. Dann fällt man über sie her; bricht den Stab über sie und stösst sie aus der Gesellschaft aus.

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Darin liegt die grosse Unmoral unserer Zeit, dass die Mädchen, die gewandt eine Schwangerschaft verhindern können, oder die zu dem verwerflichen Mittel der Abtreibung greifen, dass diese Mädchen in Ehren in der Gesellschaft weiter bestehen können. Aber ehrlos wird dieses Mädchen in den Augen dieser Leute dann, wenn es in dem Willen Mutter zu werden, eine Schwangerschaft und ihre Folgen freiwillig auf sich nimmt. Selbstverständlich fällt in den Chor derer die Verwünschungen und Flüche ausstossen auch mit ein

die Kirche.

Denn auch sie sieht in der unehelichen Mutter ein Makel und verdammt als schwer sündhaft Mutter und Kind.

Auf der einen Seite hebt sie die Jungfrauenschaft in den Himmel und erkennt alle jüngeren und älteren Mädchen, soweit sie noch nicht geboren haben, als tugendsame Jungfrau an. Man spricht mit frommen Augenaufschlag von der geknikten Rose und von der gefallenen Jungfrau, als ob es schade wäre, wenn eine Frau, die die körperliche Reife hat, Mutter wird.

Alle diese Vorurteile kennen wir in unserem Heim nicht. Und wenn heute bei uns verheiratete und ledige Mütter zusammen am Tisch sitzen und eine grosse Kameradschaft bilden, so beweisen wir damit praktisch, dass wir keinen Unterschied machen könen zwischen Müttern, die in Ehren Mutter werden, und Müttern, die nach Ansicht der Kirche und der Gesellschaft ehrlos sind. Für uns gibt es nur eines:

"das ist die deutsche Mutter" !

Jedes Kind, das heute geboren wird. wird einmal ein Mann oder eine Frau werden, die die ganz gleiche schwere Verantwortung um Deutschlands Zukunft zu tragen haben, wie wir es heute tun.

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Dieser Kampf kann aber nur gewonnen werden, wenn Deutschland zahlenmässig in seiner Bevölkerung bestehen bleibt und nicht noch mehr abnimmt; denn wenn der Geburtenrückgang so weiter geht, wie bisher, dann wird Deutschlands in kurzer Zeit ein "Volk ohne Jugend" sein.

Aus diesem Grund ist jede deutsche Frau, die dem Staat ein Kind schenkt, weit wertvoller als wie die Frau, die freiwillig auf Nachkommenschaft verzichtet. Der Führer hat einmal gesagt:

"die wertvollste Staatsbürgerin in unserem Staat, ist die "deutsche Mutter", und in seiner grossen Rede am Ende des ersten Vierjahresplanes hat er sich bei jeder deutschen Mutter dafür bedankt, dass sie der Nation ein Kind geschenkt hat.

So gehört unsere grösste Sorge neben der Mutter auch dem K i n d e . Denn in jedem Kind sehen wir den zukünftigen Volksgenossen, für dessen gesundes Hinwachsen wir uns hier restlos verantwortlich fühlen. - Das sind in grossen Zügen die Ziele, die uns hier in diesem Heim vorschweben.

Somit haben auch die falsch gehört, die glauben, dass wir hier eine Hetze gegen die Religion treiben würden, weil wir angeblich unsere Mütter mit Zwang von der Taufe abhalten würden. Ja denen sogar Schwierigkeiten in den Weg legen würden die ihr Kind von der Kirche taufen liessen. Wir können in Ruhe über diese infamen Hetzereien hinweggehen, weil sie sich als ungemeine Lügen entpuppen, und können hier in aller Öffentlichkeit behaupten, dass es jeder Frau freisteht, ob sie ihr Kind taufen lassen will, oder ob

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ob sie ihm die SS mässige Namensweihe geben will. Wir entscheiden ja hier nicht darüber, ob die hier geborenen Kinder in eine Religionsgemeinschaft aufgenommen werden sollen, oder nicht, sondern wir nehmen sie hier dem Brauchtum unserer Ahnen gemäss auf in die Gemeinschaft der Sippe ihrer Väter und Ahnen.

Und bei dieser Gelegenheit geben wir ihnen einen deutschen Namen, den sie später wie ein Schild vor sich hertragen sollen, und den sie rein halten sollen, als Vertreter ihrer Sippe, die ihnen diesen Namen anvertraut.


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